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Pipe Dream Reality - cause only fiction has to make sense


13. August 2009

Um die Wahrheit zu sagen…

… hat der Urlaub richtig gut getan. Offenbar scheint fast jeder, der meinen Reisegefährten kennt, der Meinung zu sein, es wäre nur schwer eine Woche mit ihm auszuhalten. Entgegen dieser verbreiteten Ansicht gab es keinerlei Probleme für mich im miteinander Auskommen.

Wir sind sicherlich oft verschiedener Meinung, aber ich komme offensichtlich besser mit seiner Art zu recht, als andere, und er, so scheint es mir zumindest, ganz gut mit meiner.

Ich war seit schätzungsweise vier Jahren nicht mehr im Urlaub, von Chorfreizeit und Wochenendcamping abgesehen. Es hat mich mehr verändert, als ich gedacht hätte, wobei ich nicht weiß, ob das am Urlaub an sich, oder an der Art des Urlaubs lag.

Zumindest für jetzt hat die Zeit der Abwesenheit jegliches Interesse an Spielen wie Empire Universe, oder dem kleinen Fightspiel, das gerade unterwegs ist, getötet. Es gibt so viel zu erleben, und die Zeit am Rechner möchte ich entweder fokussiert verbringen, oder surfen auf Seiten, die für mich persönlich interessante oder relevante Informationen enthalten.

Ich möchte meine Zeit wieder auf Dinge konzentrieren, die mir wichtig sind. Zunächst werde ich mich weiter um meine Ernährung kümmern, und mich nebenbei mit neuen Möglichkeiten der Selbstkonditionierung beschäftigen.

Dies führt mich zu einem Artikel des Esquire (http://www.esquire.com/features/honesty0707). Es geht um die Maxime der Radical Honesty. Der aus Texas stammten Psychotherapeut Brad Blanton brachte die Bewegung ins Rollen.

Mit nur krassen Ausnahmen (du versteckst Anne Frank in deiner Wohnung, und ein Nazi klopft), sagt er jedem jederzeit über alles die Wahrheit. Die Implikationen sind eben so deutlich wie extrem: Keine Lügen oder auch nur kleinen Täuschungen in Beziehungen. Kein falsches Interesse, keine Ausreden.

Das Leben in seiner ganzen Einfachheit. Natürlich fragt man sich: Ist es nicht öfters notwendig, besonders in einer Beziehung, unaufrichtig zu sein? Dem anderen Interesse an seinem Tag zu signalisieren, obwohl man völlig andere Dinge im Kopf hat?

Ich glaube, das passiert öfters, als die Leute sich eingestehen. Eventuell auch verbunden mit einer Lüge an sich selbst, dass man wirklich Interesse hätte. Zerstört die absolute Ehrlichkeit so etwas?

Für mich wirft das sehr viele Fragen auf. Einerseits bin ich ein absoluter Fan vom “Öl im Getriebe des Miteinander”, was kleine Lügen nun einmal sind. Man nimmt die Schuld an einem Problem auf sich, um es lösen zu können. Man gibt Interesse in einem Vorstellungsgespräch vor, weil man den Job braucht. Man sagt einem Menschen nicht die Wahrheit, um ihn nicht zu verletzen.

Andererseits bin ich der Meinung, dass die Lüge nichts am Sachverhalt ändert. Wenn jemand grottenschlecht Klavierspielt, Gedichte schreibt, oder tanzt, tut man ihm doch keinen Gefallen damit, es ihm zu verschweigen. Man tut sich selbst einen Gefallen damit. Wenn man sich eingesteht, dass man den anderen belügt, um sich selbst vor der aus der Wahrheit entstehenden Situation zu schützen, hat man zumindest eine Lüge weniger.

Und wenn man es schafft, dem anderen die Wahrheit zu sagen, kann er vielleicht etwas an der Sache verbessern, oder sich einfach ein passenderes Hobby suchen.

Wie der Autor des oben genannten Artikels aufzeigt, können sich auch durchaus Verbesserungen in Beziehungen ergeben durch die radikale Wahrheit. Wichtig ist ihm, dass man das Ganze persönlich bespricht. Weil sehr viel von den begleitenden Gefühlen abhängt, und man auch sicher stellen kann, dass die Information so ankommt wie gedacht.

Im ersten Eindruck ist mir der radikale Ansatz etwas zu radikal, aber ich denke, einen Schritt in die Richtung werde ich wagen. Durch verschiedene Rückmeldungen bekomme ich nämlich allmählich das Gefühl, unklare und nicht immer nachvollziehbare Botschaften zu senden. Das möchte ich ändern.

Seid ihr bereit für die Wahrheit?

12. August 2009

Zurück aus Barcelona

Ich hoffe, ihr konntet durch die verzögerten Postings die Zeit ohne mich überstehen. Aber jetzt bin ich – zumindest kurz – wieder im Land. Barcelona kann man im kurzen fast gar nicht beschreiben.

Unglaublich geniale Sonne, Strand. Sehenswürdigkeiten bequem per Sight-Seeing Bus besichtigt. Tango-Argentino in drei Workshops gelernt (ich liebe diesen Tanz über alles, könnte mein neuer Favorit werden). Eine extrem coole Salsa-Disco besucht. Tapas gegessen. Mehr Tapas gegessen. Viel mehr Tapas gegessen.

Das Frühstücksbuffet war krass. Mein Frühstück bestand aus: Spiegelei, mit zwei Scheiben Speck und Butterbrot, dann Brötchen mit Butter, Marmelade, Honig. Anschliessend Schokocroissants, Kuchen. Dann noch Müsli und zum Abschluss Obstsalat. Dazu Orangensaft. Einfach nur genial.

Am Freitag gehts dann für fünf Tage auf Chorfreizeit in die Schweiz. Da wird es sicherlich nicht so warm, aber es wird einiges zu erleben geben. Vielleicht poste ich morgen noch etwas mehr, wenn ich an meinem eigenen Rechner sitze.

11. August 2009

TSOML – Kapitel 8: Rückblick

So schreibe ich das hier, mehr als 20 Wochen nach Beginn. Die Hoffnung im Kopf, dass mein Schlussstrich funktioniert. Die Hoffnung, dass es mir leichter fällt, wenn ich es hier niedergeschrieben, und nochmal komplett durchdacht habe.

Schon im Prozess des Niederschreibens, Überarbeitens, stelle ich fest, dass sich meine Ansichten zu den Dingen ändern. Merke ich, dass ich Dinge anders sehe. Ich lese alles immer und immer wieder, und merke, dass ich mich für naiv halte.

Übersehene Signale, irrationale Entscheidungen, und das alles auf Grund von Gefühlen? Ich war in dieser Zeit ein anderer Mensch, und das beunruhigt mich. Doch könnte ich die Sache komplett aus meinem Leben streichen, ich würde es nicht tun.

Denn auch diese Geschichte hatte sehr viele positive Effekte für mich gebracht, und auch unfassbare Seitenstränge beinhaltet, die ich hier gar nicht alle niederschreiben kann. Vor allem aber macht sie mich widerstandsfähig für das nächste Mal, wenn so etwas passiert.

So schließe ich das Kapitel ab, und hoffe, dass ich fortan Leuten, die mich kennen lernen, nicht mehr als verbittert erscheine, ich endlich aufhören kann, meinen Freunden mit der Geschichte auf die Nerven zu gehen, und beim nächsten Mal der Persönlichkeitstest auf Focus-Online, gefärbt durch meinen aktuellen Stimmungszustand, nicht mit dem roten Pfeil auf Depressiv zeigt.

9. August 2009

TSOML – Kapitel 7: Der Wendepunkt

Zu Hause angekommen, die Erkenntnis: Wieder bei der Stange halten. Was sollen diese komischen Spiele? Es war nicht zu erklären. Ich entschied mich, offensiv zu sein, und startete einen letzten Versuch: Das Tanzfrühstück, Sonntag früh, war per Zug sowohl zu erreichen, als auch zu verlassen. Prompt kam die Antwort: Es ist leider ein Museumsbesuch geplant. ‚Naja, es findet sich schon noch eine Gelegenheit‘. Bitte nicht zu viel Begeisterung.

Wieder die Erkenntnis (wie ich das schreibe, stelle ich fest, wie oft man manche Erkenntnisse haben muss, um sie wirklich zu haben. Lernen durch Wiederholung, mit dem Holzhammer. Man lernt wohl nur so), dass von ihr keine Initiative kommt, keine kreativen Lösungen. Sie wollte Tanzen gehen, aber nicht weil sie es vermisste, oder es ihr wirklich wichtig wäre, sondern damit ich zufrieden wäre.

Wieder überlegte ich: Aktiv werden (mir wären reihenweise Möglichkeiten und Lösungen eingefallen, wenn es ihr wirklich wichtig gewesen wäre), oder wieder abwarten. Schlagartig wurde mir bewusst, dass ich diese Entscheidung schon so oft getroffen habe, und es bisher nichts gebracht hat.

Kein Fortschritt zu verzeichnen, gleiche Intervalle von Freund und Leid, beziehungstechnisch kein Weiterkommen. Keine Möglichkeit, zu entscheiden, was richtiger wäre, handeln oder nichts tun.

Ich beschloss, einen Versuch zu wagen, ihr zu schreiben. Ob sie glaubt, ich wäre ein Kopf-durch-die-Wand-Mensch, oder ein Zurücklehnen-und-Abwarten Mensch. Sie durchschaut die Frage, und schreibt: Es hinge von der Situation ab, was sie im Bezug auf die Situation von mir erwartet, könne sie mir nicht sagen, da sie es nicht wüsste.

Ich merkte, dass mir die Geduld ausging. Diese Frau zeigte im Bezug auf uns absolut gar keine Initiative, tat nur das nötigste, um mich bei der Stange zu halten, warum auch immer. Behauptete aber gleichzeitig hartnäckig, Gefühle für mich zu haben.

Ich wollte das nicht mehr. Ich halte mich für den geduldigsten Mensch, den ich kenne, daher war ich selbst überrascht, wie es um mich stand. Ich beschloss, darüber zu schlafen.

Am nächsten morgen war mir klar. Ich würde den Kontakt abbrechen müssen, und zwar diesmal endgültig. Diese Sache war wie ein schleichendes, süßes Gift, das mich langsam tötet. Und ich wollte nicht getötet werden.

7. August 2009

TSOML – Kapitel 6: Der Tanzkurs

Kapitel 6: Der Tanzkurs

Der erste Kursabend war sehr angespannt. Wir hatten uns bestimmt zwei Monate nicht gesehen, uns mit einem Abschiedskuss verabschiedet. Wir hatten nicht viel Zeit, uns zu unterhalten, der Kurs begann.

Danach dann die Ernüchterung: sie müsse direkt gehen, könne nicht länger bleiben, da sie ihrem (Ex?-)Freund versprochen hatte, direkt nach Hause zu kommen.

Zu diesem Zeitpunkt waren mir die Beziehungsverhältnisse gar nicht mehr klar. Leider konnte ich niemanden fragen, denn ihr war das Ganze entweder auch nicht klar (was sie sagte), oder sie wollte mir nichts darüber sagen, und sonst kannte ich niemanden gut, der viel mit ihnen zu tun hatte.

Dennoch war ich froh, den ersten Abend überstanden zu haben, und wollte ernsthaft versuchen, das ganze freundschaftlich zu handhaben, wie unsere Tanzkurse vorher.

Beim nächsten Kursabend hatten wir davor ein Gespräch, erneut Begründungen und Erklärungen für die letzten zwei Monate. Ich weiß nicht, woher die Idee kommt, dass irgendwelche Geschichten den Schmerz einer solchen Zeit abmildern würden. Man hat eben getan, was man getan hat, und man kann es nicht besser reden mit Erklärungen dafür.

Ich glaubte jedenfalls, dass ihr nichts an ihrer alten Beziehung lag, sonst hätte sie niemals diesen Tanzkurs mit mir machen können. Denn, dass ihr (Ex?-)freund davon wusste, teilte sie mir mit. Wieder gab es dafür nur ihr Wort, und ich konnte unmöglich sicher wissen, was davon stimmt. Bedingungslos glaubte ich jedoch alles, auch wenn Freunde mich warnten.

Bald wurde mir allerdings klar, dass keine Freundschaft im eigentlichen Sinne möglich war. Ich konnte mich nicht mit ihr zum Üben treffen, da sie das ihrem (Ex-?)freund gegenüber nicht vertreten konnte. Sie konnte auch nicht wesentlich länger bleiben nach dem Kurs zum Üben.

Ohne die Gelegenheit zum Üben werden solche Kurse schnell unproduktiv. Darüber hinaus war es natürlich unerträglich, immer wieder an die Gesamtsituation erinnert zu werden, egal wie sehr ich versuchte, es auszublenden.

Ich war erneut mit der Frage konfrontiert, die mir die Situation immer und immer wieder über die Wochen gestellt hatte: Es gut sein lassen, laufen lassen, oder initiativ werden, und versuchen sie zu erobern. Egal wen ich befragte, Männer würden mir immer zu Ersterem raten, Frauen zu Letzterem. Warum ist mir bis jetzt ein Rätsel.

Ich entschied mich, sie per SMS zu fragen, ob sie mit mir Tanzen geht. Sie antwortete ausweichend. Ich schlug Termine vor, sie brachte Begründungen, warum das dann und dann nicht möglich war.

Ich probierte alles, bis ich die Aussage bekam, dass sie mich außerhalb des Tanzkurses nicht treffen kann (will!), aber eventuell noch ein bisschen länger bleiben würde, damit wir üben konnten. Oder etwas früher kommen, um zu Quatschen, aber nur auf meinen konkreten Wunsch. Sie selbst schien kein Interesse daran zu haben.

Erneut war ich wieder in der passiven Lage und vor der Frage, ob das Ganze überhaupt Sinn hatte. Ich ging erneut zum Kurs, gab mich desinteressiert, tat nichts. Nach zwei Wochen war das auch fast ok für mich. Ich hatte mich für einen weiteren Kurs angemeldet, sodass ich zum Tanzen nicht auf sie angewiesen war.

Die ganzen Wochen über beschlich mich stets ein Gefühl, dass ich bei der Stange gehalten werden sollte. Zugeständnis um Zugeständnis, wenn auch die meisten nicht erfüllt. Darauf angesprochen, verneinte sie das natürlich. Sicher sähe es so aus, aber sie würde das nicht mit Absicht machen.

Was spielt Absicht hier auch für eine Rolle. Wenn ich jemanden mit dem Auto überfahre, dann ist derjenige  auch nicht weniger tot, wenn ich das nicht mit Absicht gemacht habe.

Jedenfalls kamen an einem Tanzabend (war es mittlerweile der 5.?) zufällig eingestreute Aussagen, die suggerierten, sie wäre ausgezogen (ihre Tasche war für den ganzen Tag gepackt, sie müsse auf den Zug, sie hätte ihren Computer beim Ab- und Aufbau beschädigt). Allerdings nichts Konkretes. Ich stellte auf einmal fest, dass ich nicht nachfragen wollte. Es interessierte mich nicht, ob sie ausgezogen war, oder nur Spielchen spielte.

Nach dem Kurs die Frage: Ob wir mal tanzen gehen? Das war also plötzlich möglich, und wurde präsentiert, als wäre nichts weiter. Bevor ich noch nachdenken konnte, willigte ich ein. Ich frage, wann? Sie sagte irgendwann.

Nein, tut mir leid, dieses Spiel spielte ich nicht mehr. Ich fragte konkret, sie sagte, leider findet das Sonntagnachmittagstanzen nicht statt im Moment, und abends käme sie ja nicht heim. Sie müsse also eine Gelegenheit finden, wo sie das Auto bekommen könnte.

Ich ging nach Hause, und ich wusste schon auf dem Heimweg, dass die neue Situation an mir nagen würde.

5. August 2009

Es klappt!

Nach einigen Telefonaten und ein paar Unstimmigkeiten mit dem Kreditkarten-Tageslimit hat alles geklappt, immerhin 16h vor Start der Maschine haben wir unsere Ticket Codes und Hotel Voucher. Nun also nur noch rechtzeitig zum Flughafen kommen. Oder doch den Web-Checkin nutzen?

Vielleicht werde ich aus dem Urlaub mal posten, vielleicht erst danach. Ist ja auch nur eine Woche. Ich freue mich jedenfalls riesig auf Sonne, Strand, und vielleicht auch die ein oder andere Salsa-Party, wenn alles klappt.

Ich bin dann mal weg!

Wie es aussieht, müsst ihr die nächsten Tage auf mich verzichten, da ich Last Minute nach Barcelona fliege. Sonntag geplant, Montag gebucht, Dienstag eingekauft, Mittwoch gepackt, Donnerstag geht der Flug.

Damit werden dann drei Dinge von meiner Liste gestrichen:

Einmal richtig spontan sein – Check
In Spanien gewesen sein – Check
Geflogen sein – Check

Falls alles klappt. Ich bin noch etwas überfordert von der Schnelle der Sache, und hab auch keine richtige Ahnung von irgendwas. Aber wird schon alles gut gehen. Wir fliegen von Stuttgart, erstmal dahin kommen. Ich weiß auch nicht was und wieviel Gepäck, schliesslich konnte uns der Reiseanbieter noch nicht mitteilen, bei welcher Fluggesellschaft wir mitfliegen und ich bin ja auch noch nie geflogen.

Wenn ihr noch Tipps für Flug, Gepäck, oder Barcelona habt, ab in die Kommentare. Ansonsten bin ich nächsten Mittwoch wieder für zwei Tage da, bevor es in die Schweiz geht. Was für ein Jet-Set Leben.

4. August 2009

TSOML – Kapitel 5: Ausziehen oder nicht Ausziehen?

Kapitel 5: Ausziehen oder nicht Ausziehen?

Doch es gelang mir nicht, schon wenige Tage später fragte ich mich, ob es nicht doch stimmte, was sie sagte, auch wenn es ihren Handlungen widersprach. Vielleicht musste sie genau das tun.

Wollte ich denn eine Beziehung mit einer Frau, die bereit ist, eine langjährige Beziehung einfach so aufzugeben?

Ich schrieb ihr wieder, telefonierte mit ihr, wenn ich konnte. Sie sagte, sie wolle der Sache zwei bis drei Wochen geben, dann werde sie komplett ausziehen, und ihre alte Beziehung hinter sich lassen.

Ich war nicht sehr begeistert, aber was konnte ich anderes tun. Wie immer bestanden zwei Optionen, den Kontakt abzubrechen, oder ihre Bedingungen zu akzeptieren. Es folgten wenige Wochen mit spärlichem Kontakt, der ausschließlich auf meine Initiative zurückzuführen war. Von ihr kam nichts.

Dann gegen Ende der selbstgesetzten Deadline die Offenbarung: Sie könnte einfach nicht ausziehen. Sie brächte es nicht fertig. Begründungen und Ausreden folgten, wie schon die ganze Zeit über. Widersprüchlich, und zum Teil auch hanebüchen und für mich einfach unverständlich. Man musste schon sehr verliebt sein, um sich überzeugen zu lassen. Das war ich wohl.

Meine Versuche, sie zu überzeugen, dass es auch das beste für sie und ihre abgebrochene (?) Beziehung wäre, meine Versuche, praktische Tipps zu geben oder gute Gelegenheiten für einen Auszug aufzuzeigen schlugen fehl.

Mittlerweile war ich davon überzeugt, dass sie an ihrer alten Beziehung nichts mehr fand, was allerdings dazu führte, dass ich umso weniger Verständnis für ihr Verhalten hatte.

Erneut der Versuch, den Kontakt abzubrechen, und ihr die Initiative zu überlassen, wenn sie wirklich Interesse an mir hatte. Trotz der absolut fehlenden Initiative betonte sie immer wieder, dass sie Gefühle für mich hätte. Dies war wohl der Hauptgrund, warum ich mich von der Sache nicht lösen konnte.

Doch es schien ihr gerade recht zu kommen, und sie meldete sich überhaupt nicht mehr bei mir, bis ich es höchstens zehn Tage später nicht mehr aushielt, und sie wieder anschrieb. In einigen wenigen Gesprächen, die wieder komplett auf meine Initiative zurückgingen, verabredeten wir uns für einen Tanzkurs nach der Pfingstpause, auf freundschaftlicher Basis.

Ich war sehr zweigeteilt, und entschied mich dann fünf Tage vorher, dass es keine gute Idee war, und ich den Kurs absagen wollte. Ich schrieb eine Nachricht, kurz bevor ich in die Stadt fuhr. Das Onlineformular verschluckte meine Nachricht, und ich musste los. In der Stadt traf ich eine Freundin, die mir riet den Kurs zu machen. Ich unterlies die Absage.

Glück auf dem Ponyhof

Unsere Spezies ist sicherlich intelligenter als Tiere. Nur wird Intelligenz dabei oft etwas zu viel Wert beigemessen. Intelligent bedeutet halt, dass wir Brücken bauen können, Lebensmittel einfrieren und zum Mond fahren.

Es bedeutet aber nicht, dass wir nicht irgendwann wie die meisten anderen Lebewesen aussterben, oder die Welt sich oder wir die Welt so verändern, dass darauf kein menschliches Leben mehr möglich ist.

Menschen tun Böses mit guten Gründen, Gutes mit bösen Gründen. Das heißt aber nicht, dass die Welt kein Ponyhof ist.

Die Metapher passt perfekt. Auch auf dem Ponyhof gibt es eine Menge Mist, der weggeräumt werden muss, Ponys werden krank und sterben, Futter wird schlecht, Weiden sind abgegrast.

Der Witz daran ist, dass man als Gast auf dem Ponyhof, so wie als Gast auf der Welt, diese Sachen ausblendet. Wenn es meine Aufgabe ist, den Mist wegzuräumen, sehe ich ihn. Wenn nicht, existiert er für mich nicht.

Ich konzentriere mich auf die Aspekte des Ponyhofs, für die ich gekommen bin (ich war noch nie auf einem Ponyhof und weiß jetzt nicht so genau was das für Aspekte sind): Reiten, Ponys streicheln, Urlaub in der Natur?

Ich informiere mich, was ich tun kann, um die Welt ein wenig besser zu machen. Habe ich Geld übrig, kann ich spenden. Einen Organspendeausweis ausfüllen, Blut spenden. Beim Einkauf auf die Herkunft und Haltung achten.

Darüber hinaus? Die leute verhungern nicht weniger, wenn ich mir das jeden Tag in den Nachrichten ansehe, die Kriege werden nicht kleiner, wenn ich die Berichterstattung verfolge. Meine Aufgabe ist es, die welt im Kleinen, in meinem Umfeld ein wenig besser zu machen.

Wenn die Grundbedürfnisse gestillt sind hängt Glück letzten Endes nicht mehr von den Umständen und der Umgebung ab, sondern von der Person, die diese Umstände erlebt.

2. August 2009

Und die Welt ist doch ein Ponyhof

Dieser Eintrag ist eine direkte Antwort auf Hannas Blogpost (http://hanna.benormal.de/?p=168). Mal sehen ob das mit dem Trackback diesmal klappt.

Auch ich habe als Kind gedacht, die Welt ist gut. Ich wusste nicht wieso, oder warum, aber so wie ich aufgewachsen bin, habe ich gelernt, dass sich am Ende alles zum Guten wenden kann und auch wird, dass jedes Ereignis sein Gutes hat.

Ich habe das sicherlich nicht der Unfehlbarkeit der Erwachsenen um mich herum zugeschrieben. Auch wenn man als Kind den ‘Großen’ unglaubliches zugetraut, habe ich schon in der Grundschule Rechenfehler meiner Mathelehrer aufgedeckt, und auch sonst längst nicht alles geglaubt, was man mir erzählt.

Ich bin also mit einem gesunden Mißtrauen gegen die Welt aufgewachsen. Dennoch begleitet mich schon mein Leben lang eine gesunde Portion Optimismus.

Um die Methaper der Matrix-Pille weiterzuverwenden: Die rote Pille, die man zwangsläufig irgendwann unter das Essen gemischt bekommt, hat mir einiges genommen. Verloren gegangen sind jedoch nur der Weihnachtsmann, der Osterhase, das Christkind.

Ein paar Kindheitsmythen. Der Glaube daran, dass die Erwachsenen für eine stabile, gerechte Welt sorgen, wurde lediglich transformiert. Mit Optimismus und einer gesunden Portion Gottvertrauen kann ich weiterhin durchs Leben gehen, und davon überzeugt sein, dass alles, was um mich herum geschieht, was mir geschieht, einen Zweck hat.

In allem kann ich am Ende etwas Gutes entdecken, wenn ich nur genau hinsehe. Und wenn ich das Gute gefunden habe, dann halte ich mich daran fest.

Und wenn ich dann, auf dem Weg zur Bahn, den Blick von der Straße in den Himmel hebe, die Baumkronen sehe, die Vögel, die strahlende Sonne, dann weiß ich, dass das Leben eben doch ein Ponyhof ist, oder vielleicht eine Pferderanch.

Denn Reiten ist am Ende keine Frage des Alters, sondern nur eine Frage der Größe des Pferdes.