18. September 2009
Ich kenne den Kaufhof-Uhrenmann nicht selbst. Er sitzt im Kaufhof, Erdgeschoss, hinter einem Schalter. Das erste mal, als ich auf ihn aufmerksam wurde, spielte sich ungefähr Folgendes ab:
Eine alte Dame kommt an den Schalter, ihre Uhr geht nicht mehr. Der Kaufhof-Uhrenmann schaut sich die Uhr an, und diagnostiziert nach 30 Sekunden erfolgreich: Die Batterie ist alle. Wenn sie möchte, kann er für sie die Batterie wechseln.
Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht weiß, ist dass der ganze Vorgang (5 Minuten + Material) am Ende 15 EUR kosten wird. Da ich vom Dorf komme, wo man beim Schuster für 5 EUR die Schuhe repariert bekommt, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass sie andere Vorstellungen hat. Jedoch wird sie nicht auf den Preis hingewiesen.
Sie stimmt also zu, und nachdem die Batterie gewechselt ist: Das macht dann 15 EUR. Die Frau ist verblüfft, vermutet zunächst ein akkustisches Mißverständnis. Nein, wirklich 15 EUR. 15 EUR? Dann möchte sie das nicht. Die Batterie sei jetzt schon gewechselt, und es sei zu spät, aus dem Geschäft zurückzutreten.
Das ist also mein Bild vom Kaufhof-Uhrenmann. Nun gehe ich zufällig vorbei, ein älterer Herr, bestimmt auch an die 70, ist gerade im Beratungsgespräch. Ich gehe nur vorbei, und höre im Vorbeigehen den älteren Herrn sagen: “Ich traue Ihnen nicht!”.
Nimm das, Kaufhof-Uhrenmann. Nicht jeder lässt sich für 15 EUR eine 2 EUR Batterie verkaufen. Mit dem guten Gefühl, dass es noch Gerechtigkeit auf dieser Welt gibt, gehe ich einkaufen.
17. September 2009
Wenn ich in der Stadt unterwegs ist, vor allem wenn ich alleine bin, nehme ich mir oft die Zeit, und beobachte Interaktionen von Leuten. Manchmal werde ich aber auch zum zufälligen Beobachter. So in dieser Woche:
Ich fahre Straßenbahn, wenige Haltestellen, stehe im Eingangsbereich. Es ist morgens, recht viel los. Ein älteres Pärchen steigt ein. Sie mit einem coolen Rollator, er mit zwei Krücken. Eine Frau Mitte 20, sitzt auf dem Sitz nahe der Tür, bietet ihren Sitz an. Freundlich wird ihr Angebot abgelehnt: Sie fahren nur eine Station, da bleiben sie lieber stehen.
Die Straßenbahn fährt an. Auf dem Einzelsitz gegenüber der Tür sitzt ein Jugendlicher, etwa 15, sieht introvertiert aus. Eine Frau mitte 50, mit einem verbitterten, grimmigen Gesicht, fährt ihn an: “Könnten Sie bitte dem Herrn ihren Platz anbieten?” in einem absolut dreisten Tonfall. Der Herr wiederholt: “Wir fahren nur eine Station, danke”. Der Jugendliche, nachdem er sich etwas gefangen hat, höflich zurück zu der Frau: “Das kann man auch freundlicher sagen.”
Schweigen. Gespannt beobachte ich die Situation. Die Frau dreht sich zurück zu dem Jugendlichen: “Wie bitte?”. Ungläubiger Blick. Der Jugendliche wiederholt, etwas lauter: “Das kann man auch freundlicher sagen”. Die Frau, sprachlos, entrüsteter Blick. Ein Mann, der das Ganze mitbekommen hat, dreht sich um: “Da muss ich ihm zustimmen, das KANN man freundlicher sagen.”. Die Frau kanns nicht fassen: “Ich habe Bitte gesagt”.
Nun dreht sich eine Dame um die 70 um, die gerade aussteigen will: “Nein, das war nicht freundlich. Das kann man wirklich auch freundlich sagen.”
Sogar eine Dame aus der betroffenen Zielgruppe widersetzt sich dem sozialen Druck, der inhaltlichen Richtigkeit der Aufforderung zuzustimmen. Es wird akzeptiert, dass es – genauso wie es in den meisten Fällen unhöflich ist, den Platz nicht anzubieten – auch unhöflich ist, jemanden deswegen anzuschnauzen. Ich steige aus, ein Lächeln auf meinem Gesicht. Ohne genau sagen zu können, warum, freue ich mich über solche Vorfälle.

Masterdecoy •

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31. August 2009
Noch kurz möchte ich mit euch über folgendes Statement diskutieren:
“Some people might say that a rich man is a man who has a lot of money, and that a poor man is someone with very little money. But is it really correct to distinguish them by their outward possessions? Is it not true that if you took away the money from a rich man, within a few years he would likely be rich again? And also, if a poor man wins the lottery and comes into a million dollars, is it not likely that within a few years he will be poor again?
Of course there are always exceptions due to circumstance. But with the vast majority of us, the outside circumstances of your life are a direct reflection of what kind of person you are on the inside. Your outside circumstances are the natural expression of your character through time. This is the secret—the nature of personal reality.” – (aus: Revelation, Copyright © 2008, Chris Odom)
Ich denke darüber nach, seit ich es gelesen habe. Auch wenn ich nicht weise, ob ich dem Statement im Extrem zustimmen würde, ist es doch das, was man am Ende bei Carnegie, und vielen anderen Schriftstellern in dem Bereich finden kann. Glaubt ihr daran?
Der Monat August geht zu Ende. Draussen kündigt sich bereits der Herbst an. Es kühlt ab, Blätter fallen von den Bäumen und es geht ein spektakulärer Wind.
Rückblickend auf den diesjährigen Sommermonat kann ich nur sagen: Es war mein genialster August. Ich habe jeden Tag genossen, ob im Urlaub, beim Tanzen, mit Freunden.
Ich bin ein Mensch, der die Gegenwart geniesst, nicht die Vergangenheit. Und doch muss ich hier zurückblicken. Teilweise musste ich unwillkürlich lachen. Einfach so, aus purer Lebensfreude. Ich kann selbst nicht sagen, woher diese Euphorie kommt.
Nun freue ich mich auf eine etwas kältere Jahreszeit, in der ich wieder richtig heißen Kaffee genießen kann, nicht bereits verschwitzt beim Tanzen ankomme, und Gäste meine kleine Wohnung nicht direkt auf 30° aufheizen.
19. August 2009
Ich bin aus der Sommerfreizeit zurück. Es waren herrliche Tage voller Wandern, Singen, Tanzen, Essen, Tischtennis spielen und vieles mehr. Und nun, nachdem ich mit einer 11 Stunden Nacht ein paar Defizite ausgeglichen habe, fällt mir eins auf: Ich habe seit 5 Tagen das Bändchen nicht gewechselt.
Mit diesem Bändchen hat es folgendes auf sich: Im Blog von Tim Ferriss bin ich auf ein Experiment von Will Bowen gestoßen. Er postuliert zunächst, dass die Worte, die man verwendet, die Gedanken bestimmen, nicht umgekehrt. Und das aus diesen Gedanken wiederum Emotionen und Handlungen folgen.
Darauf basierend geht er davon aus, dass man durch Konditionierung nicht nur negative Worte vermeiden kann, sondern darauf basierend negatives Erleben und Verhalten.

Man bekommt also ein Armband (oder besorgt sich eben selbst eins), das man an ein Handgelenk anlegt. Immer wenn man nun flucht, meckert oder unkonstruktiv kritisiert, muss man das Armbändchen abmachen und ans andere Handgelenk anlegen.
Auf diese Weise achtet man sehr darauf, was man sagt, und ist sich stets bewußt, wenn man sich negativ äußert. Das Ziel des Experimentes ist es also, das Bändchen 21-Tage nicht abzulegen.
Nun bin ich in meinen Augen jemand, der sich selten aufregt, und auch nicht der Typ zum meckern. Aber es fiel mir erst mit dem Bändchen auf, wieviel ich doch noch meckere, fluche, “kleinen Ärger” habe. In Spanien damit begonnen, war das längste mal eineinhalb Tage.
Jetzt komme ich aus der Schweiz und stelle fest, dass ich seit der Abfahrt Freitag das Bändchen nicht wechseln musste. Ich weiß nicht, ob es die Magie des Gospel ist, oder einfach die Gesellschaft von so vielen echt netten Leuten, die sich derart beruhigend auf mich auswirkt.
Aber ich werde in Zukunft darauf achten, ob ich jemals in Gesellschaft unseres Chors das Bändchen wechseln muss.
Blogeintrag Tim Feriss: http://www.fourhourworkweek.com/blog/2007/09/18/real-mind-control-the-21-day-no-complaint-experiment/
Buch von Will Bowen: http://www.amazon.com/gp/product/0385524587?ie=UTF8&tag=offsitoftimfe-20&linkCode=as2&camp=1789&creative=9325&creativeASIN=0385524587
14. August 2009
Kaum da, auch schon wieder weg. In wenigen Stunden gehts für 5 Tage in die Schweiz. Gerade noch das Zeug gepackt. Wird wohl wieder eine kurze Nacht, aber so muss es halt sein. Wenigstens schnarche ich im Sitzen nicht, muss der Dialog auf der Autofahrt wohl wieder ohne mich stattfinden.
http://schwarzsee.ch
Da fahren wir hin, falls jemand stöbern will. Die Seite ist aber nicht besonders übersichtlich. Eventuell mach ich ja ein paar Fotos, dann könnt ihr die Location sehen, wenn auch nur in zwei Megapixeln. Live ist das viel schöner.
Jetzt gehe ich aber ins Bett, und lasse euch erstmal wieder alleine. Dienstag komme ich aber wieder, also kann die Action dann weiter gehen. Gute Nacht
13. August 2009
… hat der Urlaub richtig gut getan. Offenbar scheint fast jeder, der meinen Reisegefährten kennt, der Meinung zu sein, es wäre nur schwer eine Woche mit ihm auszuhalten. Entgegen dieser verbreiteten Ansicht gab es keinerlei Probleme für mich im miteinander Auskommen.
Wir sind sicherlich oft verschiedener Meinung, aber ich komme offensichtlich besser mit seiner Art zu recht, als andere, und er, so scheint es mir zumindest, ganz gut mit meiner.
Ich war seit schätzungsweise vier Jahren nicht mehr im Urlaub, von Chorfreizeit und Wochenendcamping abgesehen. Es hat mich mehr verändert, als ich gedacht hätte, wobei ich nicht weiß, ob das am Urlaub an sich, oder an der Art des Urlaubs lag.
Zumindest für jetzt hat die Zeit der Abwesenheit jegliches Interesse an Spielen wie Empire Universe, oder dem kleinen Fightspiel, das gerade unterwegs ist, getötet. Es gibt so viel zu erleben, und die Zeit am Rechner möchte ich entweder fokussiert verbringen, oder surfen auf Seiten, die für mich persönlich interessante oder relevante Informationen enthalten.
Ich möchte meine Zeit wieder auf Dinge konzentrieren, die mir wichtig sind. Zunächst werde ich mich weiter um meine Ernährung kümmern, und mich nebenbei mit neuen Möglichkeiten der Selbstkonditionierung beschäftigen.
Dies führt mich zu einem Artikel des Esquire (http://www.esquire.com/features/honesty0707). Es geht um die Maxime der Radical Honesty. Der aus Texas stammten Psychotherapeut Brad Blanton brachte die Bewegung ins Rollen.
Mit nur krassen Ausnahmen (du versteckst Anne Frank in deiner Wohnung, und ein Nazi klopft), sagt er jedem jederzeit über alles die Wahrheit. Die Implikationen sind eben so deutlich wie extrem: Keine Lügen oder auch nur kleinen Täuschungen in Beziehungen. Kein falsches Interesse, keine Ausreden.
Das Leben in seiner ganzen Einfachheit. Natürlich fragt man sich: Ist es nicht öfters notwendig, besonders in einer Beziehung, unaufrichtig zu sein? Dem anderen Interesse an seinem Tag zu signalisieren, obwohl man völlig andere Dinge im Kopf hat?
Ich glaube, das passiert öfters, als die Leute sich eingestehen. Eventuell auch verbunden mit einer Lüge an sich selbst, dass man wirklich Interesse hätte. Zerstört die absolute Ehrlichkeit so etwas?
Für mich wirft das sehr viele Fragen auf. Einerseits bin ich ein absoluter Fan vom “Öl im Getriebe des Miteinander”, was kleine Lügen nun einmal sind. Man nimmt die Schuld an einem Problem auf sich, um es lösen zu können. Man gibt Interesse in einem Vorstellungsgespräch vor, weil man den Job braucht. Man sagt einem Menschen nicht die Wahrheit, um ihn nicht zu verletzen.
Andererseits bin ich der Meinung, dass die Lüge nichts am Sachverhalt ändert. Wenn jemand grottenschlecht Klavierspielt, Gedichte schreibt, oder tanzt, tut man ihm doch keinen Gefallen damit, es ihm zu verschweigen. Man tut sich selbst einen Gefallen damit. Wenn man sich eingesteht, dass man den anderen belügt, um sich selbst vor der aus der Wahrheit entstehenden Situation zu schützen, hat man zumindest eine Lüge weniger.
Und wenn man es schafft, dem anderen die Wahrheit zu sagen, kann er vielleicht etwas an der Sache verbessern, oder sich einfach ein passenderes Hobby suchen.
Wie der Autor des oben genannten Artikels aufzeigt, können sich auch durchaus Verbesserungen in Beziehungen ergeben durch die radikale Wahrheit. Wichtig ist ihm, dass man das Ganze persönlich bespricht. Weil sehr viel von den begleitenden Gefühlen abhängt, und man auch sicher stellen kann, dass die Information so ankommt wie gedacht.
Im ersten Eindruck ist mir der radikale Ansatz etwas zu radikal, aber ich denke, einen Schritt in die Richtung werde ich wagen. Durch verschiedene Rückmeldungen bekomme ich nämlich allmählich das Gefühl, unklare und nicht immer nachvollziehbare Botschaften zu senden. Das möchte ich ändern.
Seid ihr bereit für die Wahrheit?
12. August 2009
Ich hoffe, ihr konntet durch die verzögerten Postings die Zeit ohne mich überstehen. Aber jetzt bin ich – zumindest kurz – wieder im Land. Barcelona kann man im kurzen fast gar nicht beschreiben.
Unglaublich geniale Sonne, Strand. Sehenswürdigkeiten bequem per Sight-Seeing Bus besichtigt. Tango-Argentino in drei Workshops gelernt (ich liebe diesen Tanz über alles, könnte mein neuer Favorit werden). Eine extrem coole Salsa-Disco besucht. Tapas gegessen. Mehr Tapas gegessen. Viel mehr Tapas gegessen.
Das Frühstücksbuffet war krass. Mein Frühstück bestand aus: Spiegelei, mit zwei Scheiben Speck und Butterbrot, dann Brötchen mit Butter, Marmelade, Honig. Anschliessend Schokocroissants, Kuchen. Dann noch Müsli und zum Abschluss Obstsalat. Dazu Orangensaft. Einfach nur genial.
Am Freitag gehts dann für fünf Tage auf Chorfreizeit in die Schweiz. Da wird es sicherlich nicht so warm, aber es wird einiges zu erleben geben. Vielleicht poste ich morgen noch etwas mehr, wenn ich an meinem eigenen Rechner sitze.

Masterdecoy •

23:27 •
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5. August 2009
Nach einigen Telefonaten und ein paar Unstimmigkeiten mit dem Kreditkarten-Tageslimit hat alles geklappt, immerhin 16h vor Start der Maschine haben wir unsere Ticket Codes und Hotel Voucher. Nun also nur noch rechtzeitig zum Flughafen kommen. Oder doch den Web-Checkin nutzen?
Vielleicht werde ich aus dem Urlaub mal posten, vielleicht erst danach. Ist ja auch nur eine Woche. Ich freue mich jedenfalls riesig auf Sonne, Strand, und vielleicht auch die ein oder andere Salsa-Party, wenn alles klappt.

Masterdecoy •

23:05 •
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Wie es aussieht, müsst ihr die nächsten Tage auf mich verzichten, da ich Last Minute nach Barcelona fliege. Sonntag geplant, Montag gebucht, Dienstag eingekauft, Mittwoch gepackt, Donnerstag geht der Flug.
Damit werden dann drei Dinge von meiner Liste gestrichen:
Einmal richtig spontan sein – Check
In Spanien gewesen sein – Check
Geflogen sein – Check
Falls alles klappt. Ich bin noch etwas überfordert von der Schnelle der Sache, und hab auch keine richtige Ahnung von irgendwas. Aber wird schon alles gut gehen. Wir fliegen von Stuttgart, erstmal dahin kommen. Ich weiß auch nicht was und wieviel Gepäck, schliesslich konnte uns der Reiseanbieter noch nicht mitteilen, bei welcher Fluggesellschaft wir mitfliegen und ich bin ja auch noch nie geflogen.
Wenn ihr noch Tipps für Flug, Gepäck, oder Barcelona habt, ab in die Kommentare. Ansonsten bin ich nächsten Mittwoch wieder für zwei Tage da, bevor es in die Schweiz geht. Was für ein Jet-Set Leben.